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zur Begründung des Antrages der
Fraktion der PDS im Landtag Brandenburg zur Unterstützung des "Prignitzer
Appells" (6. März 2003)
Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Damen und Herren,
am 4. Dezember 2002 haben 38
kommunale Abgeordnete aus der Prignitz einen Offenen Brief an den Bundeskanzler
geschrieben, in dem sie die Bitte formulierten, Deutschland nicht in einen
Krieg gegen den Irak hineinziehen zu lassen. Verbunden haben sie diesen Brief
mit einem Appell an die Bundesregierung, in dem es heißt:
die UnterzeichnerInnen, appellieren
an die Bundesregierung,
- den Vereinigten Staaten für den Fall eines
Krieges gegen den Irak keine Überflugrechte für Militärflugzeuge über
deutsches Territorium zu gestatten und ebenfalls nicht zuzulassen, dass
amerikanische Militärbasen in Deutschland für den Krieg genutzt werden.
Der Artikel 26 des Grundgesetzes, der Zwei-plus-Vier-Vertrag und ebenso die
Charta der Vereinten Nationen begründen dieses rechtliche Verständnis.
- ein deutliches Zeichen gegen den Krieg zu
setzen und die ABC-Spürpanzer aus dem Kuwait zurück zu ziehen.
Diesem „Prignitzer Appell"
haben sich bis heute, dem 6. März, 1.847 kommunale Mandatsträger aus allen
Bundesländern angeschlossen. Allein 506 Kommunalpolitikerinnen und
Kommunalpolitiker aus Brandenburg haben den „Prignitzer Appell" bisher
unterstützt. Es sind Bürgermeister, Stadtverordnete, Kreistagsabgeordnete,
sie arbeiten in Ortsbeiräten oder als sachkundige Bürger, sie gehören allen
demokratischen Parteien an, sind Einzelbewerber oder in Wählervereinigungen
organisiert. Insgesamt unterstützen bis heute 29.926 Bürgerinnen und Bürger
aus Ost und West den „Prignitzer Appell", unter ihnen auch
Landtagsabgeordnete, Bundestags- und Europaabgeordnete sowie Minister.
Die kommunalen Abgeordneten, die
den „Prignitzer Appell" tragen, haben sich vorgenommen, die
Arbeitsteilung, dass sie für die Probleme vor Ort zuständig seien, die
Bundesregierung für 'das große Ganze', nicht mehr aufrecht zu erhalten,
insbesondere nicht in der Frage Krieg und Frieden.
Weil Frieden zwar nicht alles, aber
ohne Frieden alles nichts ist, wie es Willi Brandt einst formulierte, haben
einige der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner den „Prignitzer Appell"
in ihr kommunales Parlament oder in ihren Kreistag eingebracht, andere wandten
sich an die Bürgerinnen und Bürger ihrer Städte und Gemeinden, sich dem
Appell an die Bundesregierung anzuschließen.
In einem 2. Brief haben die
Initiatoren den Bundeskanzler gebeten, alles dafür zu tun, dass Deutschland
nicht - auch nicht indirekt - in einen Krieg hinein gezogen wird. In allem, was
Herr Schröder in diese Richtung unternimmt, kann er auf die Unterstützung der
Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Initiative bauen.
Der Bundeskanzler hat im Wahlkampf
unmissverständlich klar gestellt: Deutschland wird sich an einem Krieg gegen
den Irak nicht beteiligen. Diese Haltung wird von den Initiatoren des „Prignitzer
Appells" gestützt.
Sehr geehrte Kolleginnen und
Kollegen,
in der letzten Landtagssitzung gab
es ob unseres Antrages Differenzen bezüglich der Zuständigkeit des Landtages.
Seit dem ist sehr viel passiert. Millionen Menschen haben weltweit gegen einen
drohenden Krieg demonstriert. Am 15. Februar haben mehr als 500.000 Menschen in
Berlin, darunter auch viele Brandenburgerinnen und Brandenburger, ihre Position
zum Krieg deutlich gemacht. Täglich finden auch in Brandenburg Mahnwachen,
Friedensgebete, Kundgebungen und andere Aktionen gegen den drohenden Krieg
statt. Täglich wird auch in Brandenburg öffentlich sichtbar, dass die
Bevölkerung diesen Krieg nicht will. Menschen unterschiedlichster Herkunft und
verschiedener politischer Anschauungen, Junge und Alte sagen NEIN, weil es für
diesen Krieg keine Rechtfertigung gibt. Bürgerinnen und Bürger wie auch ihre
kommunalen Vertreter erklären sich zuständig und treten in diesem Fall aus
tradierten Vorstellungen des Parlamentarismus heraus.
Das ist lebendige Demokratie!
Ausgerechnet der Landtag
Brandenburg stellt in dieser angespannten Situation fest, dass er nicht
zuständig ist. Ich dachte bisher immer, dass wir mündige und nur unserem
Gewissen verpflichtete Abgeordnete sind und gerade zum Thema Krieg / Frieden
eine Meinung haben müssen. Es kann also nicht ernst gemeint sein mit der „Nichtzuständigkeit".
Hinzu kommt, dass gerade nach den Diskussionen der letzten Woche um den von
CDU-Kollegen geschriebenen Brief, ein deutliches Wort aus dem Landtag heraus
durchaus auch von den Bürgerinnen und Bürgern erwartet wird. Eine Position
gegen den Krieg und gegen eine deutsche Beteiligung ist nicht antiamerikanisch,
denn hundert Tausende Menschen gehen auch in den USA auf die Straße. Ein Nein
zum Krieg ist schon gar keine Unterstützung für Saddam Hussein. Wer das
behauptet, der stellt sich selbst ein erbärmliche Zeugnis aus.
Die PDS-Fraktion ist der Meinung,
dass eine politische Erklärung des Landtages zur Verhinderung eines Krieges
gegen den Irak angemessen ist. Wir halten es in diesem Zusammenhang auch für
angemessen, die Position der Bundesregierung, die Beschlüsse der großen
Kirchen, Stichwort Bischofskonferenz und Beschluss der Synoden, zu
unterstützen. Der Papst hat gerade in dieser Woche zu weltweiten
Friedengebeten aufgerufen, weil eben Krieg eine Niederlage der Menschheit ist.
Ich meine, der Bundeskanzler sollte
wissen, dass der Brandenburger Landtag, wenigstens aber eine große Mehrheit,
seine Irak-Position unterstützt. Warum sollte der Brandenburger Landtag dem
Kanzler für seine Irak-Position keinen Respekt zollen und ihm den Rücken
stärken? Er braucht viel Unterstützung, um bei einem konsequenten „Nein"
zu bleiben.
Wir bitten und fordern von der
Bundesregierung, im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen mit Nein zur
Kriegsresolution der USA, Großbritanniens und Spaniens zu stimmen und nicht zu
gestatten, dass die USA unser Land weiter als Aufmarschgebiet für den Krieg
missbrauchen.
Die PDS und die Masse der
Bevölkerung ist bereit, dem Kanzler in dieser Frage die Unterstützung zu
geben.
Die Bürgerinnen und Bürger sollen
wissen, dass wir uns der im Zwei-plus-Vier-Vertrag, mit dem die Einheit und die
volle Souveränität Deutschlands besiegelt wurde, fest geschriebenen
Erklärung, „dass von deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird."
verpflichtet fühlen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Bürgerinnen und Bürger dieses
Landes haben den Mut gefasst, Zeichen zu setzen gegen den Krieg.
Kommunale Abgeordnete aus
Brandenburg haben den Mut gefasst, aus herkömmlichen Denkmustern auszubrechen
und ein Zeichen gesetzt für den Frieden, das parteiübergreifend. Nun sollten
wir den Mut fassen, die Bürgerinnen und Bürger, die Kommunalvertreter in
ihrem Engagement für den Frieden und gegen einen Krieg im Irak zu
unterstützen.
Als kommunaler Abgeordneter in der
Stadt Perleberg und Mitinitiator des „Prignitzer Appells" bitte ich Sie
um Zustimmung für den Antrag der Fraktion der PDS.
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