| Sehr geehrter
Herr Bundeskanzler Gerhard Schröder,
im öffentlichen Verständnis sind kommunale Abgeordnete für die
Probleme vor Ort zuständig - in den Gemeinden, Städten oder Kreisen -
und die Bundesregierung für das „große Ganze", wozu auch die Außenpolitik
gehört. In den letzten Jahren haben wir jedoch immer mehr die Erfahrung
gemacht, dass diese Arbeitsteilung so nicht stimmt, dass Entscheidungen,
die oben getroffen werden, in vielfacher Hinsicht kommunale Belange
direkt berühren. Dies gilt für die Steuer- und Finanzpolitik, die
Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik und vieles mehr.
Wir kommunalen Abgeordneten haben uns jetzt vorgenommen, uns nunmehr
auch in das „große Ganze", auch in die Außenpolitik
einzumischen und uns dafür das Motto Ihres namhaften
sozialdemokratischen Vorgängers im Amt, Willy Brandt, zu eigen gemacht:
„Frieden ist nicht alles. Aber ohne Frieden ist
alles nichts."
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
Sie haben im Wahlkampf unmissverständlich klar gestellt: Deutschland
wird sich an einem Krieg gegen den Irak nicht beteiligen. Viele von uns
gehören der älteren Generation an und wissen aus eigenem Erleben, was
Krieg bedeutet. Und auch den Jüngeren stehen die täglichen
Fernsehbilder von Krieg, Gewalt und Not vor Augen. Deshalb waren wir -
unabhängig der parteipolitischen Orientierung - durch Ihre Aussage
beruhigt. Nun lesen wir täglich, welch hoher Druck von amerikanischer
Politik auf Deutschland ausgeht und wissen, dass auch CDU und FDP es
gern sehen würden, dass die Bundesregierung von dieser Aussage abrückt.
Wir bitten Sie, dies nicht zu tun und Deutschland nicht - auch nicht
indirekt - in einen Krieg hinein ziehen zu lassen.
Wir sind kommunale Abgeordnete in den neuen Bundesländern, die
Mehrheit von uns ist in diesem Teil Deutschlands aufgewachsen. Deswegen
werden Sie verstehen, dass neben dem Grundgesetz für uns der
Zwei-plus-Vier-Vertrag eine besondere Bedeutung hat. In diesem Vertrag,
der die Einheit und volle Souveränität Deutschlands im September 1990
besiegelte, bekräftigten beide deutschen Staaten die Erklärung, „dass
von deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird."
Prignitzer Appell
Wir, die UnterzeichnerInnen, appellieren an die Bundesregierung,
- den Vereinigten Staaten für den Fall eines Krieges gegen den Irak
keine Überflugrechte für Militärflugzeuge über deutsches
Territorium zu gestatten und ebenfalls nicht zuzulassen, dass
amerikanische Militärbasen in Deutschland für den Krieg genutzt
werden.
Der Artikel 26 des Grundgesetzes, der Zwei-plus-Vier-Vertrag und
ebenso die Charta der Vereinten Nationen begründen dieses
rechtliche Verständnis.
- ein deutliches Zeichen gegen den Krieg zu setzen und die ABC-Spürpanzer
aus dem Kuwait zurück zu ziehen.
Thomas Domres (MdL), SVV Perleberg; Karl-Heinz Brüdigam,
SVV Wittenberge;Manfred Löchel, SVV Pritzwalk;Horst Maudrey, SVV
Perleberg; Rainer Mattstedt, SVV Putlitz; Gisbert Rosenau, SVV
Wittenberge; Anke Brandes, SVV Lenzen; Angelika Riesen, SVV Lenzen;
Manuela Rumsch, SVV Lenzen; Hans-Otto Rülker, SVV Perleberg; Ralf
Pomorin, KT Prignitz; Lutz Behrendt, KT Prignitz; Klaus
Herpich, SVV Perleberg; Margrit Puls, KT Prignitz; Wolfgang Strutz, KT
Prignitz; Roland Weber, KT Prignitz; Harri Schulz, Bürgermeister
Wolfshagen; Dietrich Rupertus, GV Gumtow; Hans-Otto Düwert, Ortsbeirat
Karstädt; Siegfried Kramke, SVV Wittenberge; Manfred Pawelka, SVV
Putlitz; Rainer Ramin, SVV Perleberg; Manfred Tiede, SVV Meyenburg/KT
Prignitz; Herbert Fuchs, skE SVV Pritzwalk; Sieglinde Paris, SVV
Pritzwalk; Marita Linack, SVV Pritzwalk; Manfred Specht, SVV Pritzwalk;
Hartmut Winkelmann, skE SVV Pritzwalk; Helga Winterfeldt, SVV
Wittenberge; Gerhard Plack, GV Falkenhagen; Ulrich Kirschnick, SVV
Wittenberge; Barbara Raatz, SVV Perleberg; Reiner Janek, GV Breese;
Manfred Riske, GV Retzin; Renate Klickow, skE KT Prignitz; Erich Lüffe,
OBeir. Dannenwalde; Inge Fischer, OBeir. Demerthin; Manfred Großmann, Bürgermeister
Kemnitz;
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