Perleberg, 7. Januar 2003
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
am 4.12.2002 hatten Ihnen 38 kommunale Abgeordnete
aus der Prignitz einen Offenen Brief geschrieben mit der Bitte,
Deutschland nicht in einen Krieg gegen den Irak hineinziehen zu lassen.
Von Ihnen, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, haben
wir bis heute leider nichts gehört, auch keine Eingangsbestätigung
erhalten. Das befremdet uns. Weil wir Ihr Schweigen nicht als Arroganz
der Macht fehlinterpretieren möchten, bringen wir uns heute noch einmal
in Erinnerung und schlagen Ihnen außerdem ein Treffen im
Bundeskanzleramt vor.
Den „Prignitzer Appell" haben bis heute (8.
Januar, 14 Uhr) 589 kommunale Mandatsträger aus elf Bundesländern
unterschrieben. Es sind Bürgermeister, Stadtverordnete,
Kreistagsabgeordnete, sie sind in Ortsbeiräten oder sachkundige
Bürger, sie gehören allen demokratischen Parteien an, sind
Einzelbewerber oder in Wählervereinigungen. 639 weitere Bürgerinnen
und Bürger haben sich dem „Prignitzer Appell" angeschlossen,
unter ihnen auch Landtagsabgeordnete, Bundestagsabgeordnete, Minister.
Die kommunalen Abgeordneten, die den „Prignitzer
Appell" tragen, haben sich vorgenommen, die Arbeitsteilung, dass
sie für die Probleme vor Ort zuständig seien, die Bundesregierung für
'das große Ganze', nicht mehr aufrecht zu erhalten, insbesondere nicht
in der Frage Krieg und Frieden. In diesem Sinn haben einige der
UnterzeichnerInnen den „Prignitzer Appell" in ihr kommunales
Parlament oder in ihren Kreistag eingebracht, andere wandten sich an die
Bürgerinnen und Bürger ihrer Städte und Gemeinden, sich dem Appell an
die Bundesregierung anzuschließen, den Vereinigten Staaten für den
Fall eines Krieges gegen den Irak keine Überflugrechte für
Militärflugzeuge über deutsches Territorium zu gestatten und ebenfalls
nicht zuzulassen, dass amerikanische Militärbasen in Deutschland für
den Krieg genutzt werden sowie ein deutliches Zeichen gegen den Krieg zu
setzen und die ABC-Spürpanzer aus dem Kuweit zurück zu ziehen.
Die Erklärung von Außenminister Fischer, dass
Deutschland unter bestimmten Umständen im UNO-Sicherheitsrat doch für
den Irak-Krieg stimmen könnte, erfüllt uns mit größter Sorge. Wir
bitten Sie, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, alles zu tun, damit
Deutschland nicht - auch nicht indirekt - in einen Krieg hinein gezogen
wird. In allem, was Sie in diese Richtung unternehmen, können Sie auf
unsere Unterstützung bauen.
Wir sind davon überzeugt: Sie brauchen uns, die
kommunalen Mandatsträger, um sich mit den Menschen in den Städten und
Gemeinden kurz zu schließen und in Ihrem Wahlversprechen fest und
sicher zu bleiben: Keine deutsche Beteiligung am Irak-Krieg, ob mit oder
ohne UN-Mandat. Wir kommunalen Mandatsträger brauchen Sie, denn wir
können uns zwar verantwortlich in die Außenpolitik einmischen, die
letztendliche Entscheidung aber liegt bei Ihnen, der Bundesregierung und
dem Deutschen Bundestag. Deshalb wäre aus unserer Sicht ein Treffen im
Bundeskanzleramt für beide Seiten sinnvoll und hilfreich.
In Erwartung einer raschen Antwort und
mit freundlichen Grüßen
Ramona Dittrich,
Koordinatorin des Prignitzer Appells